Design Thinking im Rahmen von SPNV Ausschreibungen – geht das?

Wir bei Start versuchen, bei möglichst vielen Themen und Fragestellungen mit einem agilen Mindset vorzugehen und bereichsübergreifend zu arbeiten. In diesem Zusammenhang fiel auch immer wieder der Begriff Design Thinking und wir wollten gern überprüfen, ob diese Methode bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen wie uns zur Anwendung kommen kann. Gereizt hat uns auf jeden Fall, dass man mit Design Thinking

  1. alternatives Arbeiten,
  2. alternative Ansätze der Problemlösung
  3. mehr Empathie für den Nutzer und
  4. die Neuorganisation der Zusammenarbeit

 

in einem Unternehmen vorantreiben kann. Design Thinking ist also nicht nur ein Methoden Set, sondern auch ein Mind-Set und eine Arbeitskultur.

Design Thinking bei StartDesign Thinking bei Start

Design Thinking hat seine Anfänge in der 1960er Jahren erfahren. Schon damals wurde der Ansatz erprobt, relevante Personen für das Design eines Produktes bei seiner Entwicklung mit einzubeziehen. In den 2000ern hat sich das Hasso Plattner „Institute of Design“ in Stanford intensiver mit der Thematik auseinandergesetzt und eine Methode daraus entwickelt, mit der das Nutzerfeedback früh in die Produktentwicklung einfließen konnte. Seit dem entstehen so nutzerzentrierte Innovationen als Dreiklang aus Technologie, Wirtschaft und Mensch.

In einem 2tägigen Workshop haben nun Start-Mitarbeiter aus den Bereichen Personal, Fahrzeuge, Ausschreibungsmanagement, Kalkulation, Marketing und Verkehrsvertragsmanagement diese Methode kennen gelernt und versucht, sie auf den Ausschreibungsprozess im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zu übertragen. Am ersten Tag ging es zunächst darum, die Methode an sich kennen zu lernen und einen ersten Überblick zu erhalten, was im Design Thinking Prozess beinhaltet ist.

Zunächst lernten wir die 5 Prinzipien des Design Thinking näher kennen:

  1. Nutzerzentrierung
  2. Problemidentifizierung
  3. Experimentieren
  4. Visualisieren
  5. Zusammenarbeit

 

Konkret ergibt sich dann aus diesen 5 Prinzipien ein Prozess, der allerdings nicht linear abgearbeitet werden sollte:

Design Thinking ProzessDer Design Thinking Prozess

Und dann ging es auch schon in die praktische Umsetzung. Als kleine Aufwärmübung „Innovation in einer Stunde“ haben wir nun in Zweier-Teams das perfekte Sitzplatzerlebnis im Zug für unseren Partner erarbeitet.

InterviewDas perfekte Sitzplatzerlebnis für unseren Partner

Mit einem Prototyp konnten wir unserem Teampartner nach einer Befragungsrunde schon erste Ideen für seinen perfekten Sitzplatz visualisieren und uns konkretes Feedback dazu einholen.

PrototypingUnsere Prototypen

Nach diesem kurzen Einblick in die Methode ging es dann auch schon an die konkrete Aufgabenstellung. Die ursprüngliche Aufgabe hieß: „Wie kann der Angebotsprozess verbessert werden, um eine bessere Kalkulation für die Start GmbH in Ausschreibungen zu gewährleisten?“ Diese haben wir mit Hilfe einer semantischen Analyse und dem Charette näher geschärft, um dann in 2 Gruppen mit jeweils 5 Mitgliedern an der finalen Themenstellung „Wie kann die Angebotserstellung gestaltet werden, um eine wettbewerbsfähige Kalkulation für Start in Ausschreibungen zu gewährleisten?“ zu arbeiten. Zunächst haben wir dabei Fragen für unsere Fachexperten erarbeitet, um in einem offenen Interview durch ein Gespräch über die Bedürfnisse unserer Nutzer ein möglichst umfassendes Bild des Problemfeldes zu erhalten. Die Fachexperten waren hierbei Kollegen, die telefonisch für das Interview hinzugeschaltet wurden.

 

GruppenarbeitGruppenarbeit zur Erarbeitung des Interview

Im nächsten Schritt haben wir dann das Thema aus Sicht des Nutzers neu definiert. Durch strukturiertes Storytelling und Nugget Framing haben wir unser Thema immer näher umrissen, um dann zu bestimmen, welchen Weg wir weiterverfolgen möchten, weil wir dort das größte Potential erkennen. Dies erfolgte in unseren 2 Gruppen sehr unterschiedlich und entsprechend unterschiedlich waren dann auch die Ergebnisse der 2 Gruppen. Über die Definition unserer jeweiligen Standpunkte haben wir eine Begründung für unseren Fokus formuliert und diesen dann über die Ausgestaltung einer PersonAha emotional aufgeladen. Mit der Präsentation der ersten Zwischenergebnisse endete dann ein spannender erster Tag.

Am zweiten Tag ging es dann gleich praktisch weiter: über Brainstormings entwickelten wir unsere ersten Ideen. Dabei lernten wir auch viele neue Möglichkeiten zur Ideenfindung kennen, wie beispielsweise den „Seestern“ oder die „heiße Kartoffel“.

Brainstorming SeesternBrainstorming mit der Seestern-Methode

Nach dem weiteren Eingrenzen der Ideen ging es dann auch schon ans Bauen eines Prototypen. Dabei entwickelte eine Gruppe einen Prototypen für ein Framework, während die andere Gruppe einen Prototypen für einen „Werkzeugkasten“ mit Methoden und Vorlagen entwarf. Beide Prototypen haben wir zunächst im Rahmen unserer Workshop-Gruppe getestet. Beide Gruppen erhielten bereits in dieser ersten Runde wertvolles Feedback, dass die jeweiligen Ideen noch einmal konkreter werden ließ und noch näher an die Bedürfnisse der Nutzer brachte.

Es folgte die Präsentation vorm Nutzer, der in diesem Zuge auch noch einmal wertvolles Feedback gab. Nach einer letzten Iterationsrunde schlossen beide Gruppen den Design Thinking Workshop mit einer gelungenen Abschlusspräsentation ihrer beiden Prototypen ab. Nun gilt es, diese in weiteren Feedbackrunden weiter zu verbessern und in den Arbeitsalltag zu integrieren.

FAZIT

Alle Teilnehmer dieses Workshops waren sich einig, dass sie durch Design Thinking neue Denkanstöße und Ideen für ihre zukünftige Arbeit erhalten haben. Auch bei so einem formalisierten Thema wie Ausschreibungen im Schienenpersonennahverkehr lassen sich neue Methoden wie das Design Thinking nutzenbringend einsetzen und helfen, Themen von allen Gesichtspunkten aus zu betrachten und nutzerzentriert zu bearbeiten. Wir sind überzeugt, dass wir die gelernten Methoden und Herangehensweisen auch zukünftig anwenden werden.