So geht start mit Herausforderungen bei einer Inbetriebnahme um

Mathias Hoff, Leiter Start Niedersachsen Mitte

Die Inbetriebnahme eines Verkehrsnetzes umfasst neben umfangreichen Tests und einer vorrausschauenden Personalplanung u. a. auch das Optimieren von Prozessen im laufenden Betrieb. Mit der Übernahme einer Strecke hört unsere organisatorische Arbeit also nicht auf, sie wird erst richtig spannend. Ein gutes Beispiel dafür ist das Netz Niedersachsen Mitte: Als start am 12. Dezember 2021 das Verkehrsnetz übernahm, war unser aller Know-how gefragt, denn die Inbetriebnahme der aus den beiden bestehenden Netzen Heidekreuz und Wesser-/Lammetalbahn kombinierten Strecke verlief leider nicht so reibungslos, wie geplant.

Wie start mit den Herausforderungen der Inbetriebnahme umgangen ist und was wir daraus gelernt haben, erklärt unser Leiter der Start Niedersachsen Mitte, Mathias Hoff,  im Interview.

Mathias, wie verlief die Übernahme der Strecke Niedersachsen Mitte?

Wir haben wie geplant am 12. Dezember das Netz Niedersachsen Mitte nach ausgiebiger Planung in Betrieb genommen. Leider konnten wir aufgrund der Pandemie keine großen Feierlichkeiten ausrichten, allerdings haben wir unsere Fahrgäste in den ersten Tagen der Inbetriebnahme mit kleinen Aufmerksamkeiten empfangen.

Eigentlich wollten wir an einen funktionierenden Betrieb reibungslos anschließen, denn wir hatten einen großen Teil des Personals und der Fahrzeuge vom Vorbetreiber übernommen. Das hatte uns vorab auch sehr gefreut, in der Praxis sah es dann leider etwas anders aus.

Die LINT-Züge der Start Niedersachsen Mitte

Was hat nicht so funktioniert, wie geplant?

Wir haben schnell gemerkt, dass Prozesse, die für einen reibungslosen Ablauf notwendig sind, nicht in dem Maße etabliert waren, wie wir sie gebraucht hätten. Leider betraf dies auch die Fahrzeugverfügbarkeit auf der Strecke, was zu Ausfällen von Fahrten führte. Zudem haben wir vermehrt Feedback aus den Medien sowie Reisenden und Anwohnenden erhalten, die sich über Verspätungen beklagt haben. Das Team der Start Niedersachsen Mitte hat die Beschwerden aufgenommen und direkt reagiert, um Lösungen zu finden.

Welche Lösungen konnten Abhilfe schaffen?

Um die Situation zu entschärfen, haben wir u. a. zusätzliche Instandhaltungskapazitäten aktiviert und temporär zwei zusätzliche Fahrzeuge für den Betrieb angemietet. Besonders wichtig waren uns die Schülerzüge morgens und mittags, für die zeitweise ein Busnotverkehr bereitstand.

Was hat start durch die Herausforderungen der Inbetriebnahme von Niedersachsen Mitte gelernt?

Jede Inbetriebnahme ist anders, daher erhalten wir aus jeder Übernahme eines Netzes neue Erkenntnisse. Unsere Vorbereitungen können sich durch die kleinsten Faktoren verändern. Wir haben durch Niedersachsen Mitte gelernt, wie wichtig Erfahrungen und Kommunikation sind und auf welche Aspekte wir vor unserer Übernahme achten müssen, speziell in Hinblick auf die Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge und die Personalplanung während Pandemiezeiten.

Außerdem ist uns aufgefallen, dass unsere Fahrgäste start nun als eigenständigen Betreiber wahrnehmen und nicht mehr „nur“ als DB-Tochter. Unsere Fahrgäste haben eine schnelle Feedbackkultur, die wir sehr schätzen und nutzen, damit wir Schwachstellen noch schneller entgegenwirken können.

Welche Ziele hat sich die Start Niedersachsen Mitte für die nächsten Monate gesetzt?

Auch weiterhin sind wir zusammen mit den Aufgabenträgern LNVG, NWL, der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg und der Region Hannover  in direkter Abstimmung, um optimale Lösungen für unsere Strecken und vor allem für unsere Fahrgäste sowie für unser Personal zu finden. Die Büros vor Ort in Soltau und Hildesheim bieten uns regionale Einblicke und gleichzeitig die Möglichkeit, schnell zu reagieren.

In den nächsten Monaten werden wir uns weiterhin damit beschäftigen, Fehlerquellen jeglicher Art zu finden und zu eliminieren, damit ein optimaler Bahnbetrieb auf den Strecken langfristig gewährleistet wird.